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Artikel vom 17.07.2013

Autor: Smuker

Kategorie: Interviews
Umfang: 1 Seiten


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Interview mit Sebastian Wenzel über zuspieler.de und zuspieler-tv Crowdfunding






cliquenabend.de: Halle Sebastian, seit einigen Jahren betreibst Du die Webseite zuspieler.de. Wie hat es angefangen?

Sebastian: Kein Aprilscherz: Ich habe zuspieler.de am 1. April 2010 gestartet. Damals lief mein Arbeitsvertrag als Fachredakteur bei einer Gastgewerbezeitschrift aus. Als Arbeitssuchender hatte ich viel Zeit. Also dachte ich mir: Warum nicht mein eigenes Magazin im Internet gründen und über Brett- und Kartenspiele schreiben? Schließlich sind Karten, Würfel und Pöppel seit meiner Kindheit meine große Leidenschaft.

cliquenabend.de: Was genau findet man auf zuspieler.de?

Sebastian: Wir rezensieren zwar gelegentlich auch Spiele, doch das steht bei uns nicht im Vordergrund. Wir blicken eher hinter und neben die Kulissen der Branche. Hinter die Kulissen, weil wir exklusive Nachrichten haben: zum Beispiel über die für die Spielebranche eher ungewöhnliche Zusammenarbeit von Kosmos mit der Agentur Hallimash (siehe http://zuspieler.de/teuflisches-angebot/). Neben die Kulissen, weil wir auch über den Tellerrand schauen. Wir zeigen zum Beispiel Fotos von Oliver Fluck. Er begleitete den Schachclub von Princeton in das Staatsgefängnis von New Jersey in den USA (siehe http://zuspieler.de/schach-hinter-gittern/).

cliquenabend.de: Und davon kann man seinen Lebensunterhalt bestreiten?

Sebastian: Nein. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt als freier Journalist. Ich schreibe über Gesellschaftsspiele in Publikumszeitschriften wie der Wirtschaftswoche oder Zeit Campus, aber auch in Fachzeitschriften wie der spielbox. Außerdem veröffentliche ich regelmäßig Artikel und Beiträge in Gastgewerbe-Zeitschriften und lokalen Medien wie der Frankfurter Rundschau, dem Hessischen Rundfunk oder dem sensor Wiesbaden.

cliquenabend.de:  Warum gibt es nun ein separates Startnext-Projekt von Dir?

Sebastian: Ich habe in der Vergangenheit immer wieder verspielte Themen, die ich unheimlich interessant finde, Redaktionen angeboten. Leider hatten die Redakteure kein Interesse daran. Damit waren die Themen erst mal gestorben, denn als freier Journalist kann ich es mir aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten, die Themen trotzdem zu recherchieren und darüber zu berichten. Da ich die Themen aber nach wie vor spannend finde, habe ich zusammen mit Alina Schmidt das Startnext-Projekt zuspieler.tv gegründet. Wir wollen zeigen, wie vielfältig das Kulturgut Gesellschaftsspiele war, ist und immer sein wird.





Zuspieler-tv Demo Video auf Youtube



cliquenabend.de: Warum moderierst Du zuspieler.tv nicht selbst?

Sebastian: Erstens sieht Alina besser aus als ich. Zweitens ist es aus dramaturgischen Gründen besser, wenn in der Sendung unterschiedliche Stimmen zu hören sein werden; Alinas Stimme in der Moderation und meine Stimme in den Beiträgen. Und drittens macht es mir Spaß, mit anderen Personen zusammen zu arbeiten.

cliquenabend.de: Die Summe ist schon fast erreicht. Was machst du wenn Du mehr einnimmst?

Sebastian: Wenn wir mehr als die benötigten 4.490 Euro einnehmen, können wir mehr als nur sechs Folgen produzieren. Pro weitere Folge benötigen wir 650 Euro. Sollten wir mindestens 5.140 Euro einnehmen, produzieren wir sieben zuspieler.tv-Folgen. Sollten wir mindestens 5.790 Euro einnehmen, produzieren wir acht zuspieler.tv-Folgen. Und so weiter.

cliquenabend.de: Wie kamst Du auf die Idee, das zuspieler.tv-Projekt zu starten und wieso hast Du Dich für Crowdfunding entschieden?

Sebastian: Die Produktion einer zuspieler.tv-Folge ist sehr aufwändig und ohne finanzielle Unterstützung nicht machbar. Uns ist unsere journalistische Unabhängigkeit sehr wichtig. Deshalb war es für uns undenkbar, dass ein einzelner Verlag unsere Arbeit bezahlt, deshalb Crowdfunding. Ein weiterer Vorteil dieser Finanzierungsform: Unsere Zuschauer und  Leser sind in den Entstehungsprozess direkt involviert und können ihn mitbestimmen. Alle, die uns mit mindestens zwölf Euro unterstützen, sind automatisch Mitglieder der Themenkonferenz und dürfen über die Schwerpunkte der einzelnen Sendungen abstimmen. Außerdem kann uns jeder – dazu muss er uns noch nicht mal unterstützen – Themenvorschläge schicken, zum Beispiel an themenvorschlag@zuspieler.tv.

cliquenabend.de: Warum hast Du Dich für Startnext entschieden? Es gibt ja auch andere Crowdfunding-Plattformen?

Sebastian: Für uns kamen nur zwei Plattformen in Frage: Startnext oder die Spieleschmiede. Bei Kickstarter hätten wir eine englische Adresse gebraucht und Krautreporter ist in Deutschland noch nicht so bekannt wie Startnext. Krautreporter ist eine Plattform für unabhängige Journalismus-Projekte. Bevor wir das Projekt gestartet haben, haben wir uns auch mit Frank Noack unterhalten, einem der Inhaber der Spieleschmiede. Er hat uns ein sehr faires Angebot gemacht. Dafür an dieser Stelle nochmals vielen Dank. Letztendlich war uns aber unsere Unabhängigkeit so wichtig, dass wir uns dazu entschieden haben, das Projekt auf eigene Faust auf Startnext zu realisieren.





cliquenabend.de: Sicherlich hat sich der ein oder andere bei Dir mit Themenvorschlägen gemeldet. Waren hier auch Dinge dabei, die sehr schwer oder gar nicht umsetzbar sind? Wenn ja welche und warum?

Wir haben zahlreiche Vorschläge bekommen, einen Überblick gibt es im fünften Wochenrückblick unter http://www.startnext.de/zuspieler-tv/blog. Einige Themenvorschläge sind rechercheintensiver als andere. Manche lassen sich eventuell auch nicht umsetzen. Katrin wollte zum Beispiel wissen, wie die Wohnung von Reiner Knizia aussieht. Reiner wohnt bekanntlich in England. Ein Flug dahin würde unser Budget sprengen. Und selbst wenn wir uns das Ticket leisten könnten, wären wir immer noch darauf angewiesen, dass uns Reiner in seiner Wohnung filmen lässt.

cliquenabend.de: Was ist der Mehrwert Deines Projektes für Verlage und für Vielspieler? Sie kennen ja vieles schon?

Sebastian: Zum einen wollen wir mit unserer Sendung nicht nur Verlagsmitarbeiter oder Vielspieler ansprechen, sondern allen Menschen vermitteln, wie vielfältig das Kulturgut Gesellschaftsspiele ist. Zum anderen stehen bei uns in der Sendung nicht einzelne Brett- oder Kartenspiele im Fokus, die viele Vielspieler wahrscheinlich schon kennen. Wir setzen einen anderen Fokus und hoffen so auch Fragen zu beantworten, auf die auch Vielspieler keine Antworten kennen, zum Beispiel: Wie spielen Blinde? Warum stehen in einigen Schulen neben Mathe und Physik auch Gesellschaftsspiele auf dem Stundenplan? Wieso tauchen so selten weibliche Charaktere in Karten- und Brettspielen auf? Was passiert hinter den Kulissen der Spielemesse Essen? Und wie unterscheiden sich eigentlich die Spielevorlieben der Deutschen von denen anderer Nationen?

cliquenabend.de: Wird es weitere Startnext Projekte von Dir geben?

Sebastian: Eins nach dem anderen: Wenn zuspieler.tv finanziert ist, werden wir erst mal die sechs Folgen drehen und veröffentlichen. Dann sehen wir weiter.

cliquenabend.de: Wie sieht generell die Zukunft von zuspieler.de aus?

Sebastian: Schon jetzt veröffentlichen wir auf regelmäßig Gastbeiträge von Spieleautoren, Spieleredakteuren und Journalisten. Ich würde mich freuen, wenn wir in Zukunft noch mehr interessante Gastartikel bekommen würden. Außerdem bin ich schon seit längerem auf der Suche nach kompetenten Mitstreitern. Wer sich angesprochen fühlt, kann mir einfach eine E-Mail schreiben, mitarbeit@zuspieler.de.

cliquenabend.de: Möchtest Du unseren Lesern sonst noch etwas mitteilen?

Sebastian: Neben verspielten Crowdfunding-Projekten gibt es noch zahlreiche andere interessante Projekte. Die Macher sind genau wie wir mit Herzblut bei der Sache und träumen oft von einer besseren Welt. Schon mit einer kleinen Spende kann man ihnen helfen, ihren Traum zu verwirklichen.



Das Startnext Projekt könnt ihr hier unterstützen.





Das Interview wurde von Andreas Buhlmann für cliquenabend.de geführt.



Vielen Dank an Sebastian Wenzel und viel Glück noch in den letzten Tagen deines startnext Projektes.


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