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Artikel vom 26.10.2015

Autor: Smuker

Kategorie: Interviews
Umfang: 2 Seiten


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Interview mit Alexander Argyropoulos zu Raid & Trade / War on Streets


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cliquenabend.de: Hi Alex du benutzt crowdfunding Plattformen schon seit ein paar Jahren um deine neuen Spiele zu veröffentlichen. Erzähl uns doch mal einige interessante Fakten darüber.

Alexander: Viele Leute glauben, dass wenn man eine Kampagne bei Kickstarter startet, dass es automatisch ein Erfolg wird, da so viele Menschen jeden Tag bei kickstarter drauf schauen. Das stimmt aber nicht. Für eine erfolgreiche Kampagne muss man hart arbeiten. Die Arbeit besteht darin, dass man Follower auf verschiedenen Plattformen anwirbt und ihr Interesse an dem Kickstarter-Projekt weckt, so dass sie es sich anschauen. Das ist eine sehr komplexe Prozedur, die Jahre dauern kann um sie zu vervollständigen. Ich würde also sagen, dass ein großes Netzwerk an Followern und solide Partner in der Industrie beides wichtigste Punkte sind, die darüber entscheiden ob ein Projekt erfolgreich ist oder nicht.

cliquenabend.de: Crowdfunding ist nicht immer leicht und viele haben mir erzählt, dass man gut aufpassen muss und dass man bei jedem neuen Projekt etwas dazulernt. Was hast du bei deinen Projekten gelernt?

Alexander: Die Stimme deiner Follower, deiner Backer, ist das allerwichtigste. Wenn ich eins gelernt habe, dann gut zuzuhören – oder besser gut zu lesen – indem ich alle Kommentare, die die Backer schreiben aufmerksam lese und versuche zu verstehen. Natürlich gibt es immer Leute die ihrem Unmut Luft machen, ohne dass es dafür einen triftigen Grund gibt. Aber die Mehrheit der Backer hat etwas Wichtiges zu sagen, egal ob es sich dabei um ein weiteres pledge level handelt, eine coole Idee für eine Erweiterung oder um Probleme beim Versand oder Verzögerungen oder auch Materialqualität. Die kleinste Bemerkung kann schon einen Unterschied machen. Ich habe also gelernt, dass ich meinen Backer zuhören sollte und dass ich jeden meiner Backer individuell betrachten sollte und ich versuche mich um seine persönlichen Belange bestmöglich zu kümmern.

cliquenabend.de: Kannst du uns einige lustige oder komische Anekdoten zum Thema crowdfunding erzählen?

Alexander: Diese Geschichte handelt von einem Versandfehler und endet in einer zufälligen Auslieferung des Spiels. In einem meiner Projekte erhielt ein glücklicher Backer aus Frankreich sein Produkt. Einige Tage später, erhielt der gleiche Backer noch ein weiteres Paket von einem anderen Backer aus Frankreich, der in einer anderen Stadt lebte. Ich hab keine Ahnung, wie das passieren konnte, aber es ist passiert. Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende. Der erste Backer, geht mit dem falschzugestellten Paket in ein Café und plötzlich spricht ihn ein fremder Mann an und verlangt sein Paket! Der zweite Backer war zufällig in der Stadt und hat seinen Namen auf dem Paket gelesen. Auf dem Heimweg war sein Koffer etwas voller, als er erwartet hatte. Das ist das komischste was mir je passiert ist. Ich bin mir sicher, dass es am Anfang nicht lustig war, aber inzwischen ist es eine Geschichte über die man lachen kann.

cliquenabend.de: Eins deiner neuen Spiele bei kickstarter ist "Raid & Trade". Wie lange hat die Entwicklung gedauert und was ist die Geschichte dahinter?

Alexander: Ursprünglich haben wir das Spiel bei facebook als Prototyp entdeckt. Es ist eine Art Deck-Building-Spiel und wir haben dann einfach den Autoren, Charalampos Tsakiris, angeschrieben. Einige Wochen später haben wir uns in Athen getroffen und uns geeinigt das Spiel zu veröffentlichen. Zuerst haben wir das Spiel mehrere Male getestet um festzustellen wie das Endprodukt in unsere Produktlinie passt. Danach haben wir das Spiel zu einem unserer Supporter, Malte Kuhle aus Deutschland, geschickt. Er hat dann noch einige Monate an dem Spiel gearbeitet, er hat Plättchen hinzugefügt, Regeln verändert, die neuen Regeln getestet und vieles mehr. Einige Monate später erhielten wir eine sehr stark veränderte Version von Malte und wir haben dann ebenfalls noch mal an den Regeln gedreht und haben einige Bestandteile entfernt, Miniaturen hinzugefügt und die Grafiken gestaltet. Im Ganzen hat es also knapp ein Jahr gedauert das Spiel zu entwickeln. Glücklicherweise hatten wir bei diesem Projekt viele Supporter wie Undead Viking, Geekdad, Father Geek, Mitglieder der griechischen Gilde von BGG und Freunde die MAGE Company bei neuen Spielen unterstützen. Zur gleichen Zeit haben wir die Kampagne für dieses Spiel auf kickstarter gestartet und glücklicherweise wurde es ein voller Erfolg.

cliquenabend.de: Bitte erzähl uns doch etwas über die Spielmechanik. Was ist besonders an diesem Spiel und warum sollte man es spielen?

Alexander: Eine der Spielmechaniken ist ein Aktionspunktesystem. Das funktioniert mit Hilfe einer Scheibe, die mit dem Charaktertableau verbunden ist und es dem Spieler erlaubt aus verschiedenen Aktionsmöglichkeiten zu wählen. Andere Mechanismen sind Gebietsbewegung, würfeln, Handmanagement und handeln. Jeder Spieler hat unterschiedliche Fähigkeiten. Was das Spiel von anderen unterscheidet sind die verschiedenen Elemente, die den Bewegungsmechanismus beeinflussen. Die Plättchen zeigen Verstecke, U-Bahnen, Brücken, Tunnel, Blockaden und andere Elemente, die die Bewegung der Helden beeinflussen. Das ist etwas, was das Spiel von anderen Spielen unterscheidet und mehr strategische Möglichkeiten beim Spiel bietet. Jeder Charakter hat auch einen eigenen Kampfwürfel, aber die Würfel sind ganz speziell designt. Auf jeder Würfelseite gibt es Angriffs- und Verteidigungssymbole, die durch eine farbliche Linie getrennt sind. Die Hintergrundfarbe des Würfels ist unterschiedlich für die Angriffs- oder Verteidigungssymbole. Das macht es einfacher für die Spieler den Unterschied zu erkennen. Was das Spiel einzigartig macht, ist zum einen sein künstlerischer Stil. Die Grafiken sind weder zu dunkel, noch zu cartoonartig, es ist irgendwo in der Mitte. Eine der wichtigsten Regeln im Spiel hat etwas damit zu wie man eine vollständige Runde definiert. Damit die Downtime nicht zu lange ist und damit alle Spieler Spaß am Spiel haben, haben wir uns etwas einfallen lassen. Jeder Spieler kann 1 Bewegung und 1 Aktion (aus einer Vielzahl an Aktionen) wählen und dann ist der nächste Spieler am Zug. Das geht so lange bis alle Spieler ihre Aktionspunkte verbraucht haben, dann gibt es eine neue Runde und natürlich hat man dann auch alle Aktionspunkte wieder zur Verfügung. Ein weiterer Punkt ist das „unerwartete“ Ende des Spiels. Es gibt 3 Siegbedingungen. Wenn man eine der Bedingungen erfüllt und noch Aktionspunkte übrig hat, dann gewinnt man automatisch das Spiel. Bei unseren Testpartien haben wir immer wieder gesehen, dass viele Spieler überrascht waren, wenn ein Spieler sagte, dass er das Spiel gewonnen habe. Man muss also von Anfang an aufpassen und versuchen zu verhindern, dass die Mitspieler die Siegbedingung erfüllen und man selbst seine Siegbedingung erfüllt. Für einige Spieler mag dies nicht nach ihrem Geschmack sein, aber hey es ist ein postapokalyptisches Spiel und da kann es nur einen Sieger geben. Der letzte Punkt warum ich das Spiel für spielenswert halte, ist das Szenario mit dem Helikopter. Das Szenario ist für 3-5 Spieler und bis zu 3 Spieler können aus der explodierenden und zerfallenden Stadt mit Hilfe des Helikopters fliehen. Das bedeutet aber nicht, dass sich der Helikopter nicht bewegt auch wenn weniger als 3 Leute an Board sind. Ein Spieler der die benötigten Resourcen besitzt, kann sich entscheiden alle anderen Spieler zurückzulassen und nur sich selbst zu retten. Dieses letzte Spielbrett ist also extrem gemein und hinterhältig auch wenn man bis dahin relativ gut kooperiert hatte. Natürlich darf man nicht vergessen, dass die Stadtruine langsam zu Asche verfällt, während den Spielern Wächter auf den Fersen sind. Es kann also ganz schön stressig werden.

cliquenabend.de: Es ist das erste Spiel von Charalampos Tsakiris und Malte Kuhle. Wie habt ihr das Spiel gefunden?

Alexander: Für Charalampos Tsakiris ist es das erste Spiel. Aber Malte Kulhe unterstützt MAGE Company schon seit 3-4 Jahren. Er unterstützt uns immer bei der Entwicklung unserer Spiele, wie zum Beispiel bei 12 Realms, Hoyuk, etc. Charalampos haben wir über facebook gefunden wie ich vorher schon erwähnt habe. Wir suchen immer nach neuen und interessanten Spielen.

cliquenabend.de: Charlampos lebt in Griechenland und Malte in Deutschland. Wie habt ihr das Spiel gemeinsam entwickelt? Habt ihr euch oft getroffen oder ging es per Email und Telefon?

Alexander: Ehrlich gesagt haben wir das Spiel zuerst von Charalampos genommen und uns Gedanken gemacht wie das Produkt aussehen könnte. Als wir fertig waren haben wir den Prototypen und unsere Vorstellungen Malte geschickt und er hat das Spiel mit seiner Gruppe weiterentwickelt. Das ganze ging also fast ausschließlich per Email.

cliquenabend.de: Gab es Filme die euch oder den Autor inspiriert haben?

Alexander: Als wir den Prototyp zum ersten Mal gesehen haben, hatten wir das Gefühl, dass das Konzept von postapokalyptischen Filmen inspiriert wurde, wo die Welt zerstört wurde. Aber es gab noch keine komplette Story um dies zu belegen. Ich glaube, dass die Sachen die wir verändert haben, viel mit Filmen, die wir gesehen haben zu tun haben. In diesen Filmen können die Helden so gut wie alles in der zerstörten Welt machen: Überfälle, Waffen bauen, überall rumrennen, zwielichtiger Handelsabkommen schließen und alles was man sonst noch in solchen postapokalyptischen Filmen sieht. Ich denke, dass wir von vielen Filmen inspiriert wurden.

cliquenabend.de: Du hast auch die Erweiterung "War on Streets" für das Spiel angekündigt. Bei kickstarter kann sie bereits gepledged werden. Was verändert die Erweiterung?

Alexander: Es gibt vier wesentliche Punkte bei denen die Erweiterung das Grundspiel verändert. Erstens, wie man erwartet, erweitert sie das Grundspiel. Das bedeutet, dass man die Rattengang nimmt und zu seinem Grundspiel dazu packt und das macht es ein bisschen schwieriger die Siegbedingungen zu erfüllen, da es jetzt neue Gegner gibt. Der zweite Punkt ist, dass die Erweiterung neue Szenarios bietet, mit der großen Neuerung, dass man jetzt auch Kooperativ spielen kann. Der kooperative Modus verändert das gesamte Spielgefühl. Die Spieler können gemeinsam beraten und haben neue Ziele, wie zum Beispiel den Schwarzmarkt zu beschützen oder den Kommandanten der Gegner zu besiegen. War on the Streets enthält auch vier neue Charaktere: Die Anhalter. Sie haben neue und bessere Fähigkeiten und sie erweisen sich als sehr hilfreich um einige Missionen zu erfüllen. Als letztes beinhaltet die Erweiterung noch 9 neue Plättchen, die Vorstadt-Plättchen. Bis jetzt haben unsere Helden eine heruntergekommene Stadt erforscht, jetzt kann man auch die Vorstädte erkunden und ich verspreche euch sie werden einige Überraschungen enthalten, da es neue Elemente, wie giftige Mülldeponien, geschützte Gebiete und U-Bahn-Tunnel, geben wird.

cliquenabend.de: Wie lange habt ihr für die Entwicklung der Erweiterung gebraucht?

Alexander: Wie jedes Spiel brauchte auch diese Erweiterung einige Entwicklungszeit. Schon am Anfang als wir noch das Grundspiel getestet haben, hatten wir schon einige Ideen wie die Erweiterung aussehen könnte und was wir gerne in die Erweiterung packen würden. Wir sammeln also schon seit über einem Jahr Material für die Erweiterung. Seit 6 Monaten arbeiten wir an der finale Version von War on the Streets, die es dann jetzt auch auf kickstarter gibt.

cliquenabend.de: Wird es in der Zukunft noch mehrere Erweiterungen geben?

Alexander: Raid & Trade ist ein Spiel mit vielen Möglichkeiten für Erweiterungen. Wir haben schon angefangen weitere Ideen zu sammeln, wie zum Beispiel Regelvarianten, neue Plättchen, neue Szenarien, neue Miniaturen, etc. Aber bevor wir uns an eine neue Produktion wagen, gilt es erstmal abzuwarten wie die Leute auf das Spiel und diese Erweiterung reagieren. Wenn es von der Öffentlichkeit gut angenommen wird, werden wir mit unseren Co-Verlägern über neue Erweiterungen sprechen.

cliquenabend.de: Was sind deine nächsten Projekte?

Alexander: Hier bei MAGE Company liegen viele Spiele auf dem Tisch und viele Entscheidungen wurden nach der Spiel in Essen 2015 getroffen. Eines unserer großen kommenden Projekte wird Aetehr Captains sein. Ein Steampunk Würfelspiel, für das wir ebenfalls eine kickstarter Kampagne planen. Ein Spieler übernimmt die Rolle der „Guten“, die versuchen Arkadia zu beschützen. Die anderen Spieler sind Piraten, die versuchen Arkadia einzunehmen mit Hilfe verschiedener Missionen. Jede Rolle spielt sich anders. Für dieses Spiel haben wir große Hoffnungen. Außerdem planen wir noch eine Partyspiel Reihe, die bald angekündigt werden wird. Alle unsere neuen Spiele kann man dann auf der Spielwarenmesse in Nürnberg bewundern. Also habt Geduld. Natürlich bleibt auch unser großer Hit 12 Realms nicht außen vor. Aber hierzu kann ich erst in der Zukunft etwas sagen.

Link zur Kickstarter Kampagne Das Interview wurde von Andreas Buhlmann für cliquenabend.de geführt. Vielen Dank an Alex für seine Unterstützung.

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