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Artikel vom 06.09.2012

Autor: Smuker

Kategorie: Interviews
Umfang: 2 Seiten


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Interview mit Henrik und Åse Berg



 





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cliquenabend.de: Hi ihr zwei könnt ihr euch kurz vorstellen, damit auch die Leser, die euch nicht kennen wissen wer ihr seid?

Henrik & Åse Berg: Wir sind ein verheiratetes Ehepaar und leben in einer kleinen Stadt in Norwegen mit zwei Söhnen und zwei die auf dem Weg sind (wir erwarten Zwillinge im September). Wer entwickeln Spiele seit 6-7 Jahre und machen es immer noch sehr gerne.

cliquenabend.de: Ihr seid die Autoren von Oregon, Rattus, Rattus Erweiterungen und Galapagos. Jedes Spiel entwickelt ihr dabei in Teamarbeit. Wie können wir uns das vorstellen?

Henrik & Åse Berg:  Manchmal hat einer von uns die Basisidee für ein Spiel, in anderen Fällen diskutieren wir Thematiken und Mechaniken zusammen. In beiden Fällen versuchen wir einen schnellen einfachen Prototypen zu bauen und die Idee zu testen. Normalerweise schneiden wir nur ein paar Stücke Papier und fertigen so einfache Spielkarten und Spielbretter an und spielen dann mit den Spielmaterialien die bei uns herumliegen. Normalerweise verändert sich das Spiel in dieser Phase ständig und nach einigen Wochen ist es ein komplett anderes Spiel als die Initialidee. In dieser Phase entwickeln wir beide verschiedene Ideen um das Spiel voranzutreiben und meistens ist die andere Person diesen Ideen gegenüber sehr skeptisch. Daher haben wir viele Diskussionen bevor wir zu einer Übereinstimmung kommen. Wir denken, dass uns dies einen Vorteil als Spieleentwickler verschafft, da wir immer sofortiges Feedback zu unseren Ideen erhalten.

Wenn wir spüren, dass wir etwas auf der Spur sind, was funktionieren könnte, nehmen wir uns etwas mehr Zeit und bauen einen schöneren Prototypen. Dann spielen wir das Spiel sehr oft und verändern einige Elemente oder fügen neue hinzu. Das Hauptziel ist es dann aber die vorhandenen Elemente auszubalanzieren.

cliquenabend.de: Wenn ihr einen Prototypen entwickelt, denkt ihr dabei zuerst an die Mechanismen oder an das Thema?

Henrik & Åse Berg: In den meisten Fällen starten wir mit dem Thema, aber das kann sich auch ändern. Bei Oregon zum Beispiel, begannen wir mit einem Spiel welches das Bauen von Siedlungen ermöglicht und die thematische Einbettung erfolgte erst später.

cliquenabend.de:  Rattus kam in der Spielewelt sehr gut an, wie kamt ihr auf die Idee und wie lange habt ihr für das Entwickeln benötigt?

Henrik & Åse Berg: Wir wollten ein Spiel über den schwarzen Tod entwickeln, nachdem wir darüber detailreich in einem Buch gelesen haben. Von Beginn an hatten wir ein Spielbrett auf der die Landkarte von Europa dargestellt war und kleine Rattenmarker die über das Spielbrett bewegt wurden und die Figuren der Mitspieler töteten. Die Klassen-Karten wurden in einem frühen Stadium hinzugefügt (wobei es erst Mal nur vier gab: Bauer, Kaufmann, Mönch und Ritter). Wir veränderten ständig die Regeln, die definierten wie die Spielfiguren auf das Spielbrett kamen und kamen schlussendlich zu der einfachen Regel „Ein Spielwürfel pro Rattenmarker“. Die Entwicklung des Spiels dauerte eine Jahre, aber es gab dazwischen auch sehr lange Entwicklungspausen, wo wir anderes zu tun hatten oder das Gefühl hatten das Ende des Spiels erreicht zu haben und wir aufgeben wollten.



cliquenabend.de:  Die Illustrationen sind sehr süß gezeichnet, aber das Thema des Spiels Rattus ist sehr ernst, mögt ihr diesen Kontrast?

Henrik & Åse Berg: Ja, wir mögen diesen Kontrast sogar sehr. Wenn die Illustrationen düster und bedrückt ausgesehen hätten, wäre es deutlich schwieriger geworden das Spiel zu verkaufen, gerade auf den Familien Markt. Bevor das Spiel veröffentlicht wurde haben wir bereits mit einigen Verlagen gesprochen und sie waren sehr skeptisch gegenüber diesem düsteren Spielthema. Aber mit den süßen Illustrationen wurde das Spiel deutlich unbeschwerter und es machte allen Spaß.

cliquenabend.de: Wurdet ihr bei den Illustrationen mit eingebunden?

Henrik & Åse Berg: Wir sahen Entwürfe und Bilder im Illustrationsprozess, aber ansonsten haben wir bei der Illustration nicht mitgewirkt.

cliquenabend.de: Euer neustes Rattus Spiel ist „Rattus Cartus“ wo gibt es Unterschiede zwischen dem Kartenspiel und dem Brettspiel und wo liegen die Gemeinsamkeiten?

Henrik & Åse Berg: Wie man gleich von Beginn an sieht ist natürlich das Thema identisch. Außerdem findet man in Rattus Cartus dieselben sechs Klassen-Karten wie im Brettspiel und natürlich gibt es auch Ratten, die die Spieler mit der Pest infizieren. Außer diesen genannten Punkten sind die Spiele sehr verschieden. In Rattus Cartus versuchen die Spiele Einflusspunkte in den verschiedenen Klassen zu erhalten, anstatt Bevölkerungswürfel auf dem Spielbrett zu platzieren. Die Pest wird auch anders behandelt: Statt nur ein paar der Bevölkerungswürfel zu töten, kann in Rattus Cartus die Pest den Spieler komplett töten am Ende des Spiels (das heißt man verliert das Spiel, natürlich wird man nicht als reale Person getötet!). Das Spiel hat auch ein gänzlich anderes Spielgefühl. Im Brettspiel gibt es viel direkte Konfrontation auf dem Brett (einige Spieler bezeichneten es auch als Kriegsspiel indem die Spieler eine gemeinsame Waffe verwenden), wobei in Rattus Carus die Interkation subtiler und indirekter ist.

cliquenabend.de: Ihr habt zwei Erweiterungen für das Rattus Brettspiel entwickelt, wird es noch weitere geben?

Henrik & Åse Berg: Wir haben  noch ein paar Ideen. Die Zeit (und auch die Verkaufszahlen) werden zeigen ob wir diese in Zukunft verwirklichen werden.

cliquenabend.de: Plant ihr Erweiterungen für das neue Kartenspiel?

Henrik & Åse Berg: Das Spiel eignet sich perfekt für Erweiterungen und wir haben schon einige Ideen für neue Gebäudekarten die wir hoffentlich in einer späteren Erweiterung veröffentlichen werden.

cliquenabend.de: Wir Spieler sind Kartenspiele mit demselben Thema wie schon veröffentlichte Brettspiele gewohnt. Habt ihr denn auch schon Pläne für ein Würfelspiel im Kopf?

Henrik & Åse Berg: Tatsächlich haben wir darüber schon nachgedacht und es somit nicht unwahrscheinlich das ein Würfelspiel die Rattus Spieleserie irgendwann erweitern wird.

cliquenabend.de: Welche Spiele spielt ihr in eurer Freizeit?

Henrik & Åse Berg: Meistens spielen wir unsere eigenen Prototypen. Außerdem spielen wir natürlich die neuen Spiele die wir auf der vorherigen Essenmesse gekauft haben und wir haben auch einige alte Spielefavouriten die ab und an auf dem Spieltisch landen.

cliquenabend.de: Wenn ihr ein Charakter aus Rattus im richtigen Leben sein könntet, welcher würdet ihr sein?

Henrik & Åse Berg: Wir würden es vorziehen nicht im Zeitalter der Pest zu leben… Aber König und Königin wäre sicherlich ganz nett.

cliquenabend.de: Gibt es noch etwas was ihr uns und unseren Lesern mitteilen möchtet?

Henrik & Åse Berg: Wir möchten allen Spielern die unsere Spiele spielen danken. Speziell Rattus ermöglichte uns viele Erweiterungen zu entwickeln und nun das Kartenspiel. Wir haben nicht erwartet, dass Rattus sich so gut verkaufen würde und wir hoffen das die Spieler unser Rattus Cartus auch spielen und mögen. Wenn ihr Rattus mögt, solltet ihr Rattus Cartus anspielen und auch wenn ihr es nicht mögt solltet ihr eine Testpartie wagen, denn es handelt sich um ein komplett neues Spiel. :-)



Das Interview wurde von Andreas Buhlmann für cliquenabend.de geführt.



Vielen Dank an Henrik und Åse Berg für Ihre Unterstützung.



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