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Artikel vom 16.08.2016

Autor: Smuker

Kategorie: Interviews
Umfang: 1 Seiten


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Interview mit Frank Noack zu Corax Games


cliquenabend: Hallo Frank inzwischen habt ihr einige Internet-Firmen gegründet und kümmert euch um vielerlei Dinge wie Bastelzubehör, Sommer und Wasserspielzug, Würfel, Crowdfunding, Brettspielshop, etc. Stell doch bitte mal kurz eure Internetseiten und das Produktportfolio dahinter vor?



Frank Noack: Es sind gar nicht soviele Internetfirmen, genau genommen sind es nur zwei:

Unsere Onlineshops, die Spieleschmiede und unser Fulfillmentservice sind alle gebündelt in der Happyshops GmbH. Allerdings treten sie nach außen unter verschiedenen Markennamen auf. Die bekanntesten in der Spielewelt sind Spiele-Offensive.de, Spieleschmiede und Spielernetzwerk, die auch miteinander eng verwoben sind. Dazu kommen weitere Onlineshops vor allem im Spielwarensegment wie Puzzle-Offensive.de und Kreativ-Offensive.de (Malen nach Zahlen) und einige Markenshops für Spielehersteller. Insgesamt betreiben wir derzeit 11 Shops, davon etwa ein Drittel im Bereich Gesellschaftsspiele.

Unsere zweite Firma L+N GmbH agiert im Hintergrund und betreut unsere Eigenmarken, wie z.B. Corax Games, Tower Puzzle und éléments noirs. Diese Marken füllen Lücken im Sortiment, für die wir keine adequaten Alternativen im Markt gefunden haben bzw. erlauben uns viel spezifischer auf Kundenwünsche eingehen können.


 

cliquenabend: Ihr seid ware Tausendsassa -Wie kommt es zu all diesen verschiedenen Shops? Warum ist nicht alles in einem Shop integriert?



Frank Noack: Die Shops sind im Grunde nicht sehr verschieden. Es geht uns um Spielware und Zubehör für dieses Segment. Wir legen schon großen Wert darauf, in unseren Segmenten fachliche Profis zu sein und das geht nicht, wenn man Hans Dampf in allen Gassen ist.

Allerdings unterscheiden sich Puzzle-Liebhaber schon sehr von Spielefans und diese sich stark von Malen-nach-Zahlen-Künstlern. Alle Shops sind ihrer spezifischen Zielgruppe und den Erfordernissen des Sortiments angepasst. Puzzle- und Kreativ-Offensive.de sind zum Beispiel komplett auf Bildsuche, Bildpräsentation und Inspiration ausgelegt. Spiele-Offensive.de hingegen hat ein leistungsfähiges Archivsystem zur Spielekategorisierung und integriert eine Unmenge von Social Media und Crowdsourcing Features, die es Kunden erleichtern sollen, sich im riesigen Spieledschungel zurechtzufinden.

 

cliquenabend: Wo seht ihr euch im Vergleich mit amazon.de, was macht ihr anders?

 

Frank Noack: Happyshops ist in einer sehr spezifischen Nische unterwegs, die Amazon nur unzureichend bedienen kann. Unser Sortiment in der Nische ist wesentlich größer als das von Amazon im gleichen Bereich. Unser Wissen über die Produkte ebenfalls und dementsprechend auch die Services, die wir ringsherum anbieten. Bei Spiele-Offensive.de kann man z.B. Spiele ausleihen und sie sich per Video detailliert erklären lassen, Mitspieler direkt finden, spezifische Regelfragen effizient diskutieren und findet Informationen rund um sein Hobby (z.B. wann und wo öffentliche Spieleevents sind). Ein Spieleberater und das InspirationsTV holen "Nicht-Spielekenner" ab.

Wir sind sozusagen ein cooler Fachhandel im Internet, der auch wirklich und mit echten Menschen beraten kann, wo Amazon das anonyme Riesenkaufhaus ist, in dem man nie einen Verkäufer findet, allenfalls mit Robotern reden und beim Bestellen nebenher ein System unterstützt, das ringsherum nur verbrannte Erde hinterlässt.



cliquenabend: Ist die Logistik an einem Standort und arbeitet ihr auch mit einem "chaotisches Lager" als System?

 

Frank Noack: Unsere Logistik ist zu 99% in Merseburg. Das 1% wird direkt vom Hersteller verschickt und bezieht sich auf individuell gefertigte Waren (z.B. maßgefertigte Rahmen für Puzzle). Hier verwenden wir tatsächlich eine Technik die chaotisches Lagersystem genannt wird. Das heißt aber nur so, weil es auf dem ersten Blick chaotisch aussieht. Die Waren werden dabei vom Computer so verwaltet, dass Lagerplatz optimiert und Kommissionierwege verkürzt werden.



cliquenabend: Das Spieleschmiede Crowdfunding gibt es nun schon länger, wie kamt ihr auf die Idee und was unterscheidet euch von den anderen Crowdfunding Plattformen?

 

Frank Noack: Die Idee haben wir ehrlich gesagt abgeguckt aber dabei gleich in vielerlei Hinsicht für den Spielebereich optimiert. Speziell Logistik, Belohnungsverwaltung und Versandkosten sind integrativ gelöst. Wo bei anderen Plattformen wochenlagen Handarbeit nötig ist, machen wir das im Normalfall mit einem Klick, weil die Seite dafür optimiert ist.

Der wesentliche Unterschied zu anderen Crowdfunding-Webseiten ist aber, dass die Spieleschmiede keine klassische Plattform ist, sondern ein Crowdfunding-Fullservice für Verlage. Das heißt, dass Verlage die Kampagnen normalerweise nicht selbst durchführen, sondern wir das komplett für sie als Service übernehmen (die meisten unserer Partner sprechen schließlich kein deutsch). Das umfasst die Erstellung und Betreuung der eigentlichen Kampagne, Unterstützung bei der Lokalisierung, die Logistik und nachgelagerten Kundenservice. Der Vertragsschluss ist ebenfalls anders als z.B. bei Kickstarter, da wir nach europäischen Recht agieren. Dadurch ist die Spieleschmiede auch für Unterstützer wesentlich sicherer als z.B. der amerikanische Platzhirsch.



cliquenabend: Ist das noch richtiges Crowdfunding?

Frank Noack: Trotz alldem ist es richtiges Crowdfunding in der Hinsicht, dass vom Kampagnenerfolg die jeweilige Umsetzung des Projekts abhängt. Reine Vororderkampagnen machen wir direkt in der Spiele-Offensive.de. In den meisten Fällen wird aber zum Glück keine Vollfinanzierung benötigt, sondern es ist den Verlagen eher wichtig die Übersetzung oder den Markteintritt abzusichern. Daher sind die Fundingziele oftmals niedrig im Vergleich zu Kickstarterprojekten, wo es meist um Vollfinanzierungen von Produktionskosten geht.



cliquenabend: Wie kommt es zu einem Spieleschmiede Projekt? Was für Kriterien müssen erfüllt sein, wie werdet ihr auf die Spiele aufmerksam?



Frank Noack: In etwa 2/3 der Fälle sprechen wir die Verlage direkt an. Z.B. wenn im Spielernetzwerk Spiele vorgeschlagen werden oder wir im Branchenbuschfunk etwas Interessantes aufschnappen. Inzwischen sprechen uns aber auch viele Verlage und Autoren direkt an, um mit uns zusammenzuarbeiten. Wir prüfen dann die Möglichkeiten und legen los, wenn alles passt. Vor allem die Kalkulation ist da sehr wichtig, denn leider ist das oft der Knackpunkt. Die deutsche Crowdfundingszene ist leider zu klein, um selbst für gute Spiele verlässlich eine vierstellige Anzahl Unterstützer zu mobilisieren. Es gibt aber auch noch andere Kriterien, wie z.B.  Spielidee und Mechanik, rechtliche Aspekte und allgemeine Umsetzbarkeit.



cliquenabend: Schaut ihr euch bei der Spieleschmiede die Brettspiele vom Inhalt und Redaktionssicht an?

 

Frank Noack: Wir schauen uns die Spielideen an und auch die Spielregeln. Eine detaillierte redaktionelle Prüfung machen wir nicht. Da wir aber in der Regel mit Verlagen zusammenarbeiten, die das Spiel teilweise in großen Auflagen in anderen Sprachen machen und oftmals schon in der zweiten oder späteren Auflage mit dem Schmiedeprojekt "andocken", ist ziemlich sicher, dass einiges an redaktionellen Aufwand investiert wurde, bevor die Verlage eine so teure Produktion beauftragen. Das heißt, dass die Spiele professionell redaktionell betreut sind.



cliquenabend: Seit 2016 habt ihr nun auch einen Verlag gegründet - Corax Games. Wie kam es zu diesem Namen und was hat das Logo zu bedeuten?



Frank Noack: Wir sind Merseburger und alle Merseburger haben eine ganz besondere Bindung zu Raben, ganz speziell zu Kolkraben (lat. Corvus Corax): Es gibt eine alte Merseburger Geschichte: Der Legende nach ließ Bischof Thilo von Trotha im 15. Jh. seinen treuen Diener Heinrich köpfen, weil er vermutete, dass dieser seinen Bischofsring gestohlen habe. Jahre später wurde dieser jedoch bei Dacharbeiten in einem Rabennest gefunden. Der reumütige Thilo ließ daraufhin in Merseburg als ewiges Gedenken einen Käfig errichten, in dem seither immer ein Kolkrabe sühnt (derzeit ein Paar in einem wesentlich moderneren, viel größeren Käfig, der direkt an den alten Rabenzwinger angebaut ist). Der Vogel mit dem Ring im Schnabel wurde Thilos Wappentier und der Kopf des abgeschlagenen Heinrich ziert noch immer unser Stadtwappen.

Der Rabe ist das Maskottchen der Stadt. Ich empfehle jedem Besucher der Stadt die Raben vor dem Schloss direkt am uralten, romanischen Dom zu besuchen.

Als Logo repräsentiert es für Corax Games den schlauen Merseburger Raben, der sich das Beste, das Goldstück, herauspickt.

 

cliquenabend: Wie entscheidet ihr, welche Spiele ihr im Verlag veröffentlicht und welche in der Spieleschmiede?



Frank Noack: Zunächst: Wir veröffentlichen ja keine Spiele selbst in der Spieleschmiede. Hier arbeiten wir sozusagen als Service für und mit anderen Verlagen. Aber es geht doch sehr eng ineinander über. Wenn wir Spiele finden, die uns wirklich begeistern und von denen wir wissen, dass sie für unsere Spieler-Zielgruppe genau passen und eine breitere Basis finden würden, dann lizensieren wir sie für Corax Games, wenn wir können. Das eröffnet uns mehr Möglichkeiten für die eigentliche Vermarktung der Spiele (z.B. auf Messen und später im Shop). Die noch nischigeren Sachen hingegen versuchen wir als Schmiedeprojekte mit dem Ursprungsverlag und ggf. Übersetzungskits zu machen, da sich hier der für uns erreichbare Gesamtmarkt oft bei wenigen hundert Exemplaren erschöpft.

 

cliquenabend: Was ist das Konzept von Corax-Games? Wie unterscheidet ihr euch von anderen Verlagen?

 

Frank Noack: Oft werden Spiele von anderen deutschen Verlagen nicht lizensiert, obwohl die sie auch toll finden. Denn ein herkömmlicher Vertrieb lohnt sich oft nicht wirtschaftlich, da die spezifischen Produktionskosten zu hoch sind für die zu erwartende Absatzmenge (das ist übrigens oft auch bei Schmiedeprojekten so). Normale Spieleverlage müssen ja verschiedene Distributionsstufen einkalkulieren, was dann dazu führt, dass Spiele zu teuer für den Markt werden, für den sie gedacht sind. Corax Games gibt es aber nur direkt beim Verlag und natürlich bei Spiele-Offensive.de zu kaufen. Es ist also nicht notwendig für uns, verschiedene Distributionsstufen einzurechnen, so dass sie umsetzbar werden. Wir hoffen nur, dass wir in der Lage sein werden, ganze Auflagen auf diese Art zu verkaufen. Das wird die Zukunft zeigen.









cliquenabend: Corax-Games ist also eine Art Verlag 2.0?



Frank Noack: Naja, ganz neu ist das Konzept nicht. Im Kaufhaus würde es Handelsmarke heißen, jedoch mit dem Unterschied, dass wir sie als Premiummarke führen werden, damit das Gesamtprojekt Corax Games auch funktionieren kann. Es sind durchgehend einzigartige Premiumspiele die mit 15 Jahren Branchenerfahrung von uns aus der Neuheitenflut herausgefiltert wurden.

 

cliquenabend: Wer betreut die Brettspiele redaktionell bei Corax-Games und wer ist für die Übersetzungen tätig?



Frank Noack: Da alles noch recht neu, ist müssen wir hier noch effiziente Prozesse schaffen. Momentan mach ich das selbst zusammen mit unserem Spieleschmiedeteam. Es sind also wirklich alle spielebegeisterten Mitarbeiter involviert und bringen ihr bestes mit ein.

 

cliquenabend: Ihr plant auch jedes Jahr ein eigenes Brettspiel (also keine Lokalisierung) zu veröffentlichen. Könnt ihr uns hier einen Ausblick geben was aktuell geplant ist?



Frank Noack: Ja, wir möchten tatsächlich ein eigenes Spiel veröffentlichen. Vermutlich wird es im Februar soweit sein. Langfristig sollen ein bis zwei Corax Games pro Jahr erscheinen, für die wir rundum verantwortlich sind, also auch die Lizenzen halten.



Unser erstes Spiel wird ein schnell zu lernendes Stichspiel sein, dass es aber wirklich in sich hat. Die Autoren sind nicht ganz unbekannte Kronberger: Roland und Johannes Goslar und Sören Schaffhausen. Gerade wird es illustriert von Maura Kalusky, den die meisten von den Illustrationen vieler 2F Spiele kennen sollten (z.B. Finstere Flure).

Wir haben es jetzt ein halbes Jahr lang rundgeschliffen und in der ganzen Welt testgespielt, um Partner für die Produktion zu finden.  Es kommt super gut an. Bisher will jeder, dem wir es gezeigt haben, bei der Produktion mitmachen. Das ist ein super Zeichen dafür, dass wir hier was ganz Großartiges haben :). Ich denke bei unserer Haus-und-Hof-Messe modell-hobby-spiel in Leipzig werden wir es den Spielernetzwerkern erstmalig öffentlich vorstellen und dann natürlich auch in Essen am Corax Games Stand schonmal als Prototyp zeigen.

 

cliquenabend: Werdet ihr auf der Essen Messe also einen separaten Verlagsstand besitzen?



Frank Noack: Ja in Halle 7 am Stand E116 könnt ihr unsere Neuheiten spielen und auch den Prototypen unseres Stichspiels testen - der noch einen wirklich coolen, internationalen Namen braucht...



 

cliquenabend: Wir wünschen euch viel Spaß und alles gute für die Zukunft und sind gespannt wie sich eure Projekte entwickeln und was in den nächsten Jahren bei euch passiert.



Frank Noack: Danke. Ich wünsche euch auch viel Spaß, hoffentlich auch mal mit unseren Spielen ;).

 


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